Bei der Parlamentswahl im Kosovo sind nach Angaben der Zentralen Wahlkommission die Oppositionsparteien Demokratische Liga des Kosovos (LDK) und Vetevendosje (Selbstbestimmung) mit 25,9 und 25,2 Prozent die beiden stärksten Kräfte geworden. Die Demokratische Partei des Kosovos (PDK), die größte Partei des noch amtierenden Regierungsbündnisses, erhielt 21,3 Prozent und gestand ihre Niederlage ein. Nach Schließung der Wahllokale hatten sich zunächst alle drei Parteien jeweils zum Sieger erklärt.

Vor den Wahlen gab es keine zuverlässigen Meinungsumfragen. Insgesamt kommt das Regierungsbündnis der PDK mit zwei kleineren Parteien auf knapp 40 Prozent und hat damit keine Mehrheit mehr. LDK und Vetevendosje zeigten sich vor der Wahl offen für eine gemeinsame Koalition. Ideologisch liegen sie jedoch weit auseinander – die LDK ist liberal-konservativ, Vetevendosje linksnationalistisch.

Rücktritt des Ministerpräsidenten löste die Wahl aus

Es war die vierte Parlamentswahl seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Jahr 2008. Sie war nötig geworden, nachdem der 2017 gewählte Ministerpräsident Ramush Haradinaj im Juli zurückgetreten war. Ausschlaggebend war seine Vorladung vor ein Sondergericht in Den Haag im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen während des Kosovokriegs 1998 und 1999. Der ehemalige Kommandeur der Aufstandsmiliz UCK, die für die Unabhängigkeit des Kosovos kämpfte, weist alle Vorwürfe zurück.

Alle Parteien, die zu Haradinajs Regierungsbündnis gehörten, gingen aus der 1999 aufgelösten Miliz hervor und wurden daher “Kriegskoalition” genannt. Aber schon vor Haradinajs Rücktritt war die Regierung zerstritten: Vorwürfe der Korruption und der Ineffizienz häuften sich, die Parteien traten diesmal getrennt voneinander zur Wahl an.

Der Kosovo hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, die Regierung in Belgrad betrachtet das Land jedoch nach wie vor als serbisches Provinz. Viele Staaten erkennen die Unabhängigkeit des Kosovos ebenfalls nicht an, darunter Spanien, Griechenland und Rumänien. Auch Russland und China sehen den Kosovo nicht als souveränen Staat und verhindern mit ihrem Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Aufnahme des Landes in die UN.