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Der Politiker Albin Kurti ist der Hoffnungsträger der kosovarischen Jugend

Der Politiker Albin Kurti ist der Hoffnungsträger der kosovarischen Jugend.

Er geizt nie mit seinem Zorn. Fast pausenlos wettert Albin Kurti gegen die korrupte politische Klasse in Kosovo, er klagt über dubiose Privatisierungen, das kaputte Bildungswesen, die Armut. Seine Anhänger unterbrechen ihn jeweils mit ohrenbetäubenden Sprechchören: Mit Dieben ist kein Staat zu machen!

In Wahlen am Sonntag haben vor allem die jungen Wähler Kurtis Partei Vetëvendosje (Selbstbestimmung) derart massiv unterstützt, dass sie ihren Stimmenanteil verdoppeln konnte und nun zweitstärkste politische Kraft im künftigen Parlament wird. Der linke Rebell – eine Mischung aus Alexis Tsipras und Che Guevara – hat für eine kleine Revolution in Kosovo gesorgt. Die Wut der Bevölkerung richtet sich gegen die ehemaligen Kommandanten der Befreiungsarmee UCK, die in den Augen vieler Kosovaren das Land gnadenlos ausplündern und ein Klientelsystem aufrechterhalten, das jede wirtschaftliche Entwicklung blockiert. Dieses System möchte Kurti sprengen.

Mehr Verstand als Muskeln

Am Wochenende ist er seinem Ziel näher gekommen: Die Allianz der Warlords, angeführt von Ramush Haradinaj und Kadri Veseli, liegt zwar auf dem ersten Platz, hat aber grosse Verluste erlitten und wird Mühe haben, eine Regierung zu bilden. Einige der selbst ernannten Kriegshelden könnten bald von einem Sondertribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden.

Eine junge und selbstbewusste Generation drängt an die Macht – mit Kurti an der Spitze.

Kurti ist zwar erst 42 Jahre alt, aber seit Teenagertagen politisch aktiv. In den 90er-Jahren protestierte er als Studentenführer gegen die serbische Repression, die Bilder seiner Verhaftung gingen damals um die Welt. Während der Nato-Luftangriffe gegen Serbien im Frühjahr 1999 wurde er erneut festgenommen und in einem Schauprozess zu 15 Jahren Haft verurteilt.


2001 liess die Belgrader Regierung ihn frei, nachdem der Druck westlicher Staaten zu gross geworden war. Doch das Verhältnis Kurtis zu den internationalen Protektoren blieb gespannt. Er warf ihnen vor, die Korruption der früheren Kriegsherren zu tolerieren. Kurti, dem Populismus keineswegs abgeneigt, provozierte immer wieder mit der Forderung nach einer Vereinigung Kosovos mit Albanien. Davon hat er im Wahlkampf Abstand genommen und sprach vor allem über die Wirtschaftslage.

Kurti hat an der  Universität Pristina Computerwissenschaften studiert und gilt als leidenschaftlicher Büchernarr. Er ist mit der norwegischen Politologin Rita Augestad Knudsen verheiratet. Das Ehepaar hat eine Tochter.

Der Erfolg der Anti-Establishment-Partei Vetëvendosje ist der Beginn einer neuen Ära für Kosovo. Eine junge, selbstbewusste und kritische Generation von Politikern drängt an die Macht – mit Kurti an der Spitze. Sie  lässt sich nicht einschüchtern von ehemaligen Kämpfern, die mehr mit Muskeln als mit Verstand regieren.

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